Das Jahr im Weinberg

Es gibt keine Jahreszeit, in welcher der Weingärtner zur Ruhe kommt. Hier können Sie erfahren, was es alles zu tun gibt - vom zeitigen Frühjahr bis weit nach der Lese. 

Wenn der Winter zu Ende gegangen ist, sieht der Weinberg recht struwwelig aus. Der Rebschnitt beginnt. Oft wird schon im Dezember, aber meist erst dann geschnitten, wenn unsere Besenwirtschaft Ende Januar geschlossen ist.

Zuerst werden mit der Druckluftschere die starken Hölzer geschnitten. Eine Arbeit, die große Aufmersamkeit erfordert, denn schnell ist mal ein Finger unwiderbringlich ab.

Dem folgt die Feinarbeit mit Hand. Das alte Rebholz wird zwischen den Drähten herausgezogen, einzelne Ruten noch entfernt. Die abgeschnittenen Ruten werden zu Büscheln, wie wir zu sagen pflegen: zu "Büschele" zusammengebunden. Was nicht für Büschele benötigt wird, wird später mit dem Häcksler zerkleinert und bleibt als Naturdünger bis zu deren Verrottung liegen. Nach einer Lagerzeit an einem trockenem Ort werden diese Büschele zum Befeuern des Backhauses verwendet. Ihre Hitze geben die nötige Wärme, um nach alter Art schmackhaftes Brot zu backen. Das übrige Holz wird mit einem Häcksel- oder Mulchgerät in den Rebgassen zerkleinert und trägt zur Humusversorgung bei.

Hier kommt der erfahrene Wengerter ins Spiel. Es gilt nun die passende Rute auszuwählen, an denen im kommenden Jahr die Trauben heranwachsen sollen. Diese Ruten müssen nun in Form gebracht werden, entweder als Strecker, als Flachbogen, als Pendelbogen oder als Halbbogen werden sie nun an den Draht gebunden. Dazu sollte die Temperatur über Null Grad liegen, die Reben schon etwas Saft ziehen, damit sie beim Biegen nicht brechen. Doch ohne Finderspitzengefühl geht da nichts.

Eine der schwersten Arbeiten im Weinberg ist das Einrammen neuer Metallstickel. Sie müssen einerseits sehr tief in den Boden gerammt werden, um den Zug der Drähte standhalten zu können und andererseits ist die Ramme, die "Katz" , bestehend aus zwei Handgriffen und einem wuchtigen Stahlrohr sehr schwer. Das Stahlrohr wird auf den Metallstickel aufgesetzt, hochgehoben und dann mit großer Kraft nach unten gezogen. Das mehrere Male, bis der Metallstickel mindestens 80 Zentimeter im Boden steckt.

Die Reben beginnen"Wasser zu ziehen". An den Schnittstellen beginnt die Rebe zu "bluten", eine aufregende Zeit, denn nun erwacht der Stock aus der Winterstarre, er beginnt  zu wachsen. Bald kommen die ersten Blättchen zum Vorschein.

Sonja Götz bindet, wie seit alters her, die Reben oft mit Weiden fest - ein reines Naturprodukt, das später verrottet.

Jetzt ist der große Augenblick da. Die Rebe beginnt zu blühen. Man spricht hier aber nicht von Blüten, sondern von Gescheinen. Das sind ganz zarte Blüten, die einen feinen, betörenden Duft verströmen. Das Geschein ist ein risperartiger Blütenstand. Jedes Geschein hat eine Vielzahl von Knospen, aus denen später die Traubenbeeren entstehen. Je nach Traubensorte können es zwischen 100 bis zu 600 Einzelblüten sein. Werfen diese die Käppchen ab, kann die Befruchtung beginnen. Von dem Zeitpunkt an dauert es zwischen 100 und 110 Tage bis zur Ernte. Doch die Natur läßt sich nicht genau bestimmen. Kommt es zur Befruchtungsstörung spricht man von Verrieselung. Das kann durch einen plötzlichen Kälteeinbruch oder durch zu viel Regen geschehen.

Diese Ernte könnte gut werden.

Ohne Pflege geht es auch im Weinberg nicht. Da gibt es eine Menge von Pilzerkrankungen, die im richtigen Moment erkannt und bekämpft werden müssen. Ist der Wengerter zu spät dran kann oft die gesamte Ernte dahin sein.

So müssen entsprechende Fungizide ausgebracht werden. Schadinsekten, wie der Heuwurm oder der Sauerwurm werden mit der sogenannen Verwirrmethode bekämpft. Dabei werden Pheromomfallen mit weibliche  Duftstoffen schon im zeitgen Frührjahr ausgebracht, die die männlichen Falter "ganz aus dem Häuschen bringen."

Pheromonfalle

reifende Trollinger

Des Wengerters Leid: Hagelschaden

Nach all der Mühe kommt die Ernte. Ist der Wagen mit köstlichen Rieslingtrauben gefüllt ist die Arbeit des Jahres vergessen.